Glanz und Gloria trotz Schulden
Die Pläne, die Kurfürst Josef Clemens für Bonn und Poppelsdorf gemacht hatte, waren prächtig. Zwei Schlösser, und dazwischen eine prachtvolle Verbindungsachse, die Poppelsdorfer Allee. Zwischen den Wegen sollte ein Kanal verlaufen. Doch der wurde niemals gebaut. Nicht nur wegen der technischen Schwierigkeiten. Auch der Geldbeutel des Kurfürsten erlaubte dies nicht.
Wegen der Finanznot des Josef Clemens stand auch der Bau des Poppelsdorfer
Schlosses auf der Kippe. Der Architekt, Robert de Cotte, musste
seinen ersten Entwurf reduzieren: Die zweite Etage für die Diener
und das Gefolge wurde gestrichen. Josef Clemens war praktisch veranlagt:
Da die Bonner Residenz ja nur "einen Kanonenschuss" weit entfernt
war, könne das Gefolge dort wohnen. Warum sollten in Poppelsdorf
noch einmal Zimmer für alle gebaut werden?
Auch diese Maßnahme nutzte nicht viel. Die Schulden wurden immer höher und der Schlossbau kroch nur unter Schwierigkeiten dahin. Schließlich musste er ganz eingestellt werden. Beim Tod des Kurfürsten 1723 mussten sogar Pferde verkauft werden, um das Begräbnis bezahlen zu können. Zur Tilgung seiner Schulden wurde alles versteigert, was nicht niet- und nagelfest war.
Der Neffe und Nachfolger Clemens August ergriff zunächst drakonische
Sparmaßnahmen: Personal und Hofstaat, Künstler am Hof und Feste,
überall wurde reduziert. Doch packte auch ihn die Bauwut. Finanziell
stand er sich besser als sein Onkel. Denn Clemens August ließ sich
seine politischen Allianzen gut bezahlen. Seine Entscheidung hing
oft davon ab, welche der Mächtegruppen am schnellsten und reichlichsten
finanzielle Unterstützung schickte. Kaiser Franz soll ihn daher
als Wetterfahne bezeichnet haben.
Trotzdem waren die Kassen nicht immer voll - und Clemens August baute noch mehr als sein Onkel. Die Handwerker bezahlte er oft erst nach Jahren. Oder er gab ihnen nur einen Abschlag auf alte Schulden, während bereits neue entstanden.
Es kam, wie es kommen musste. Auch Clemens August musste seinen Nachfolger per Testament anweisen, zur Begleichung der Schulden seinen Nachlass zu verkaufen.
Sein Nachfolger Max Friedrich tat dies ausgiebig, denn er war nüchtern
und sparsam. Max Friedrich hatte kein Interesse am Poppelsdorfer
Schloss und reduzierte die Ausgaben nur auf das Nötigste, um das
Schloss nicht verfallen zu lassen. Während Clemens August 1760 noch
10.209 Reichstaler für das Schloss ausgegeben hatte, waren es 1761
unter Max Friedrich nur noch 570 Reichstaler. Der neue Kurfürst
brachte außerdem die Bonner Tuchmanufaktur im Schloss unter. Der
Bau sollte sinnvoll genutzt werden.
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