Was macht ihr mit der Popp-Allee?
Lange Zeit war die Welt auf der Poppelsdorfer Allee in Ordnung:
Die Häuser wurden zwar innen verändert, in mehrere Wohnungen aufgeteilt
und mit Sanitäranlagen modernisiert. Doch von außen blieb das alte
Bild erhalten. Nur der Wandel von Wohnhäusern in Büros machte einige
Zeitgenossen nachdenklich. Und einige im Krieg entstandene Baulücken
wurden mit modernen Wohnhäusern gefüllt.
Dann aber wurde ein ganzer Abschnitt der Allee umgestaltet. Es
begann 1950: Eine große Versicherung baute an der Ecke zum Bonner
Talweg einen großen Verwaltungsbau und riss dafür die Häuser
Nr. 31 und 33 ab. Die Stadt erlaubte dies gerne, wollte sie doch
den großen Arbeitgeber an Bonn binden. Etwas später riss die Evangelische
Kirche die Häuser Nr. 27 und 29 ab und ersetzte sie durch Neubauten.
Die Versicherung kaufte nach und nach den ganzen Häuserblock auf
und baute hier 1972 das Bristolhotel und einen weiteren Verwaltungsbau.
Für das Hotel riss sie 1968/69 das Haus des "Bonner Bürgervereins"
ab (Bild). Dieser Bau der Jahrhundertwende (1909) war gesellschaftlich-kultureller
Mittelpunkt Bonns mit Festsälen, Bibliotheken, Lesesälen und Restaurants,
und nach dem Krieg provisorische Heimat des Theaters gewesen.
1972/73 kaufte die Versicherung die letzten Häuser zwischen Hotel
und Verwaltungsbau auf. Das Haus Nr. 25 aus wilhelminischer Zeit
hatte die Stadt als denkmalwürdig ausgewiesen, doch nur einer
von sechs Architektenentwürfen berücksichtigte dies. Die Versicherung
meinte, dass das Haus nicht in das Neubauensemble passe und besser
weichen solle. Alles wäre im Sinne der Firma gelaufen, doch dann
trat 1974 eine Bürgerbewegung auf den Plan. Sie konnte nicht verhindern,
dass die alte Struktur aus Reihenhaus- und Villenbebauung weiter
zerstört wurde. Doch das Haus Nr. 25 blieb erhalten (Bild).
Durch die Initiative einzelner Menschen wurden einige Häuser der
Allee zu positiven Gegenbeispielen: Eine Bank sah 1952 ihren Sitz,
das Haus Nr. 64, als "alten Schinken" an. Prompt ließ sie
die Stuckfassade abschlagen und glatt verputzen. Nachdem das Haus
zwischenzeitlich so illustre Besitzer wie die Baghwan-Sekte und
die Deutsche Kommunistische Partei hatte, kaufte es 1990/91 ein
Ingenieur, der die Stuckfassade nach alten Vorlagen wiederherstellen
ließ.
Das
Mitte des 19. Jahrhunderts erbaute Haus Nr. 108 gehörte seit 1917
dem Bonner Universitäts-Professor Pfenningsdorf. Dessen Sohn hinterließ
es bei seinem Tode als Stiftung. Das Gebäude mit der originalen
Einrichtung soll als Beispiel dafür erhalten bleiben, wie ein Professor
damals an der Allee wohnte. Leider finden bisher nur wenige öffentliche
Kulturveranstaltungen in dem Haus statt. Dies soll sich in Zukunft
ändern.
Wenige Meter weiter ist die Integration einer modernen Architektur
in die alte Bebauung gut gelungen: 1993-95 schuf der Bonner Architekt
Karl Heinz Schommer auf der Ecke zur Meckenheimer Allee einen eleganten
Bau, der sich harmonisch an die alten Häuser anschließt (Bild).
Denn er beachtet die Größenverhältnisse, die Fassadenaufteilung
und die Dachhöhen. Die Reste des ehemaligen Hotels Kaiserhof wurden
beibehalten.
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