Fortsetzung der Poppelsdorfer Allee - Route
Die Gründerzeithäuser
Auf der rechten Seite der Allee beginnt die lange Reihe der Gründerzeithäuser:
Bis ins 19. Jahrhundert lag die Poppelsdorfer Allee noch außerhalb
der Stadt inmitten von Wiesen, Äckern und Gärten. Damals war sie
wenig gepflegt und als "Schwindsuchtallee" verschrien, weil die
Spaziergänger ungeschützt dem Wind ausgesetzt waren.
Vereinzelte Gebäude entstanden ab den 40er Jahren. Eines der ersten Gebäude an der Allee war die Sternwarte
(Popp. Alle Nr. 47, zurückgesetzt). Sie wurde 1839 bis 1845 gebaut.
Die Mehrzahl der Häuser wurde aber zwischen
1870 und 1920 erbaut. Die Bewohner waren Beamte, Professoren, Kaufleute
und sogenannte Rentiers, Personen, die von den Zinsen ihres Vermögens
leben konnten. Die Universität mit ihren berühmten Gelehrten und die
Rheinromantik machten Bonn zur beliebten Wahlheimat reicher Zugezogener.
Die Poppelsdorfer Allee wird auf der rechten Seite durch Reihenhäuser
von fast gleichem Grundriss geprägt: das Gebäude hat drei Achsen
und ist 7 bis 8 Meter breit. Im Untergeschoss waren Vorratsräume
und Kochküche untergebracht, im Hauptgeschoss Speisezimmer und Salon,
im Obergeschoss die Schlafzimmer.
So gleichförmig der Aufbau der Häuser ist, die Fassaden sind variantenreich:
Hier wollte jeder Besitzer seine Bildung und seinen Reichtum zur
Schau stellen. Und die Architekten spielten mit verschiedenen Stilformen:
Neben klassizistischen Säulen und Giebeln stehen gotische Spitzbögen
und Frauenköpfe des Jugendstils. Mal wird eine Ziegelwand vorgetäuscht,
mal echtes Eisen verwendet. Figuren, sogenannte Atlanten, tragen
Balkone und Erker. Oft sind Formen nur noch zitiert, ohne ihre frühere
Funktion: schwere Säulen tragen nur einen zierlichen Balkon
oder gar nichts.
Das Hauptgeschoss ist wie bei Adelsbauten besonders reich geschmückt.
Und auch die kleinen Dachtürmchen, sogenannte Belvedere, haben die
Bürger vom Adel übernommen.
Das Allee-Ende
Die Allee endete ursprünglich in einem Halbkreis-Rondell. Hier
standen zwei Wächterhäuschen, von denen das linke mit den Initialen
"C A" (für Clemens August) erhalten blieb. Auf dem Rasen der Poppelsdorfer
Allee vor dem Lustschloss fand auch die erste Poppelsdorfer Kirmes
statt.
Ein Bezirksvorsteher schlug 1982 vor, im Wächterhäuschen und am
Ende der Allee ein Freiluftcafe einzurichten, um die Allee attraktiver
zu machen. Der Plan wurde ebenso wenig verwirklicht wie die Idee
der Stadt Bonn, das zweite Wächterhäuschen wieder aufzubauen und
als Gegenstück zum Brunnen am Kaiserplatz einen Brunnen in barockem
Stil zu errichten. Die Denkmalschützer waren dagegen.
Das Schloss Poppelsdorf
Über eine Brücke geht man auf das Schloss zu. Der heutige Weiher entspricht zwei Seiten des ehemaligen Burggrabens. Denn an dieser Stelle stand zunächst eine mittelalterliche Wasserburg, dann ein Renaissanceschloss und schließlich das Barockschloss.
Die Geschichte des Schlosses
Das Schloss hat architektonische Idealformen: ein kreisförmiger
Hof ist in ein Quadrat eingestellt. In den Winkeln liegen die vier
Treppenhäuser. Nach den Plänen von Josef Clemens lag der Haupteingang
zur Meckenheimer Allee. Später wurde er zur Poppelsdorfer Allee
gedreht.
Nach der Vertreibung des letzten Kurfürsten 1794 diente das Schloss
während der französischen Besetzung als Lazarett. Dann wurde Bonn
preußisch und die 1818 neu gegründete Universität bekam das Gebäude.
Die Professoren der Naturwissenschaften mit ihren Familien waren
in den vier Ecktürmen einquartiert. Offenbar war das barocke Sommerschloss
dafür wenig geeignet. Denn sie beklagten, dass es im Winter zugig
und dunkel in den Gängen war; und der Weg bis zum Abort war zu weit.
Gab es Weiderechte für Professoren auf der
Allee?
Ab 1818 war im Schloss ein naturwissenschaftliches Museum der Universität untergebracht. Die Mineralogische Sammlung ist noch heute hier und lohnt einen Besuch (Information).
Fast alle Prunkräume des Schlosses und die Kapelle wurden im 2.
Weltkrieg zerstört. An der Seite zur Meckenheimer Allee lag früher
der sogenannte Muschelsaal. Seine Wände waren vollständig aus Muscheln,
Kieseln, Korallen und Kristallen gebildet. Alte Photos des Saales
und ein Bruchstück, das ein Poppelsdorfer Bürger als Kind beim Spielen
in den Trümmern des Schlosses gefunden hatte, sind in der Heimatsammlung
Stöcker zu sehen.
Auf der Meckenheimer Allee gelangt man am Schloss entlang zum Eingang
des Botanischen Gartens, der ebenfalls einen Besuch lohnt (Information).
Er setzt die lange Tradition des Schlossgartens an dieser Stelle
fort.
Weiter entlang der Meckenheimer Allee biegt an der Ecke des Gartens links die Straße "Am Botanischen Garten" ein. Dort steht ein Relief für Hubertus, den Schutzpatron der Jagd. Es war ursprünglich hier in der Nähe aufgestellt und zwischenzeitlich in den Jägerhof von 1858 eingebaut. Als dieser 1977 abgerissen wurde, rettete ein Historiker das Relief. In den 80er Jahren wurde es wieder aufgestellt.
Die idyllische Straße am botanischen Garten stößt auf die laute
Reuterstrasse. Bei ihrem Ausbau wurde ein Stück des Botanischen
Gartens zerstört. Und auch heute noch belastet der Autoverkehr die
Pflanzen. Die Reuterstrasse ist eine ursprünglich römische Strasse,
die im Mittelalter und in der Neuzeit wichtig blieb. Ihr Name leitet
sich von Reiter, Bote zu Pferde, ab. Umgehungswege für die Post
waren nötig, weil die mittelalterlichen Städte nachts ihre Tore
schlossen.
Nach wenigen Metern biegt links der "Venusbergweg" ein, der beschaulich zurück zum Schloss und zur Poppelsdorfer Allee führt.
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Eckdaten:
Länge: Rundgang 2,5 Kilometer, nur eine Richtung Kaiserplatz bis Poppelsdorf: 1 Kilometer.
Bodenbeschaffenheit: teilweise asphaltiert, auf der Allee
Park-Schotterwege. Alternativ Bürgersteig: sehr schmal!
Schwierigkeitsgrad: keine Höhenunterschiede.
Rastmöglichkeiten: zahlreiche Bänke auf der Poppelsdorfer
Allee.
Anfahrt per ÖPNV: Haltestelle Hauptbahnhof. Anreise
mit DB, Straßenbahn und Bussen aus allen Richtungen
möglich.
Anfahrt per Pkw: Orientierung bei Anreise von außerhalb:
Hauptbahnhof. Großer Parkplatz gegenüber dem Hauptbahnhof.
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