Bummeln am Rheinufer -
mit dreifacher Lichtgeschwindigkeit
Sie möchten unser Planetensystem in eineinhalb Stunden durchwandern?
Nichts einfacher als das! Kommen Sie mit zu einem gemütlichen Bummel
am Bonner Rheinufer - und spazieren Sie dabei mit umgerechnet dreifacher
Lichtgeschwindigkeit an Mars, Jupiter, Venus und den weiteren sechs
Planeten unseres Sonnensystems vorbei.
Die neunte Klasse der Bertolt-Brecht-Gesamtschule in Bonn hat
- nach zweijähriger Vorarbeit - den
"Bonner Planetenlehrpfad" auf die richtige Bahn gebracht. Auf 5,9
Kilometern Länge bildet er unser Planetensystem im Maßstab 1 : 1
Milliarde ab. Und das heißt: sowohl in ihrer Größe als auch in ihrer
Entfernung zur Sonne sind alle Planeten maßstabsgerecht dargestellt.
Man bekommt also eine gute Vorstellung von den Dimensionen des Systems.
Die Wegebauer selbst schlagen die Begehung vor mit dem Startpunkt
"Sonne"; der Mittelpunkt des Universums ist sinnigerweise genau
unterhalb des alten Bundeshauses platziert. Wir empfehlen aber,
den Weg in entgegengesetzter Richtung zu gehen. Der Spaziergang
bekommt nämlich so eine besondere Dramatik, die Sie sich nicht entgehen
lassen sollten. Vom Bonner Vorort Graurheindorf aus arbeiten sie
sich langsam vor Richtung Zentrum - je näher Sie der Sonne kommen,
desto kürzer werden die Abstände zwischen den Planeten, und desto
spannender ist der Augenblick, wenn sie das erste Mal - vielleicht
vom Jupiter, vielleicht vom Saturn aus - die gelb glänzende Sonne
zwischen den Bäumen erspähen.
PLUTO (auf der Karte
Standort Nr. 10)
Hier sind Sie genau 5,946 Kilometer von der Sonne entfernt.
Der Pluto ist sozusagen der letzte Außenposten unseres Sonnensystems.
Bedingt durch die große Entfernung von der Sonne, herrschen auf Pluto
ewige Dämmerung und eine Dauertemperatur von -230 Grad.
Wenn Sie nun das Modell des Planeten suchen, werden Sie erst gegen
Ende des Jahres 2003 fündig. Genau an der Stelle, wo der Planet
hingehört, werden zurzeit neue Wohnungen errichtet. Nach Abschluss
der Bauarbeiten aber wird der Planet in die Wohnanlage integriert
- und Pluto findet dann endlich seinen passenden Platz. Ein bisschen
Außenseiter ist er ja auch im Universum...
(lesen Sie dazu auch die Glosse Pluto
- dieser Planet macht nichts als Probleme... )
Hier am Pluto können Sie auch ein wenig philosophieren über die
Weiten des Universums. Dazu ein kleines Beispiel: Wollen Sie vom
Pluto aus das nächste Sonnensystem erreichen, müssten Sie sich Richtung
Köln auf den Weg machen und dann noch 40.000 Kilometer (!) weitergehen.
Dann würden Sie auf das uns nächstgelegene Sonnensystem "Proxima
Centauri" treffen...
Also dann doch lieber in Richtung Süden, das heißt in Richtung "unserer"
Sonne.
Sie spazieren nun stromaufwärts am Bonner
Hafen entlang, unter der Friedrich-Ebert-Brücke hindurch und
treffen in Höhe des beliebten Freibades Römerbad auf den Neptun.
NEPTUN (9)
Noch 4,4 Kilometer bis zur Sonne.
Aufgrund der großen Entfernung von der Sonne herrschen auch auf Neptun
nur Temperaturen von -220 Grad. Das Licht der Sonne scheint auf Neptun
tausendfach schwächer als auf der Erde. Mit starken Fernrohren kann
er von der Erde nur als winziges blauschimmerndes Lichtscheibchen
wahrgenommen werden.
Da haben Sie es als Spaziergänger am Rheinufer besser, ist der
Neptun doch auf der Bronzetafel bereits von einer ordentlichen,
sozusagen handfesten Größe. Sein Standort vor dem Römerbad
hat sich zufällig ergeben; die blaue Farbe des leuchtenden Neptuns
und sein Name (Neptun, römischer Meeresgott) passen gut zum Schwimmbad.
- Der Weg führt Richtung Kennedybrücke. An der Straße "Wachsbleiche"
liegt majestätisch die modern wirkende, aber schon 1959 eröffnete
Beethovenhalle,
ein Zentrum für kulturelle und künstlerische Veranstaltungen.
URANUS (8)
Noch 2,8 Kilometer bis zur Sonne.
Uranus ist immerhin noch -156 bis -212 Grad kalt. Er vollführt eine
im gesamten Sonnensystems einzigartige Bewegung um die Sonne: Er rollt
nämlich wie ein Rad um sie. Alle anderen Planeten beschreiben eine
Kreisbahn um die Sonne, bei der es immer einen Nord- und Südpol gibt.
Die Drehachse des rollenden Uranus hingegen liegt mit beiden Polen
genau in Sonnenrichtung, so dass immer nur der Südpol angestrahlt
ist. Vielleicht hat ihn einmal der Zusammenstoß mit einem planetarischen
Körper "umgeworfen".
Zu finden ist Uranus leicht - zumindest am Rheinufer: Wenige Schritte
vor der Kennedybrücke ist er platziert.
Wenn Sie nun weitergehen, ergibt sich ein interessantes Phänomen.
Mit einem guten Fernglas können Sie ab hier die "Planetenwegsonne"
bereits ausmachen. Richten Sie das Glas auf das höchste Bonner Gebäude,
den "Langen Eugen" und den im Bau befindlichen Posttower dahinter.
Unterhalb dieser Bauwerke können Sie somit auch an bedeckten Wintertagen
die "Sonne" sehen; im Sommer wird sie leider durch das Laub der
Bäume abgeschirmt.
Spazieren sie weiter unter der Kennedybrücke hindurch Richtung
Langer Eugen. An der südlichen Brückenseite befindet sich eine Kopie
des "Brückenmännchens", einer Symbolfigur, die den Beuelern das
Hinterteil entgegen reckt, weil diese sich nicht an den Baukosten
beteiligt hatten. Rechts werfen Sie einen Blick auf das imposante
Gebäude der Bonner
Oper.
An der Ecke Erste Fährgasse trutzt rechts das Collegium
Albertinum, ein dunkles neugotisches Gemäuer. Es ist das Studienhaus
für die Priesterkandidaten des Erzbistums Köln und wurde 1892 genau
über einer alten römischen Thermenanlage errichtet. Nach wenigen
Minuten erreichen sie dann den Saturn.
SATURN (7)
Noch 1,4 Kilometer bis zur Sonne.
Saturn ist einer der am meisten beobachteten Planeten - vor allem
wohl aufgrund seines spektakulären Aussehens. Insbesondere die Ringe
haben es den Sternguckern angetan. Das sind nämlich Millionen von
Gesteins- und Eisbrocken sowie kleiner Staubkörner, die um den Planeten
kreisen. Das Ganze ist mit guten Ferngläsern von der Erde aus zu beobachten.
Da Saturn schon nicht mehr so extrem weit von der Sonne entfernt ist,
besteht nur der innerste Kern aus einer festen Eis- und Gesteinsmasse.
Die Temperatur liegt aber immer noch bei rund -200 Grad.
Auch im Modell zeigt er seine stattliche Größe, ist
er doch immerhin der zweitgrößte Planet unseres Systems. Und bis
zum größten unserer Planeten, dem Jupiter, ist es nicht mehr sehr
weit: genau 649 Schritte.
Repräsentative Gebäude - oft mit späteren
Anbauten (Foto)
- säumen die Rheinpromenade über weite Strecken. Das Wichtigste:
die hochwassersichere Lage (Foto)
oberhalb mächtiger Mauerbauten. weiter
...
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