Fortsetzung des Kreuzbergweges

Genau vor dem Gebäude der Heiligen Stiege geht die Kreuzbergallee gerade den Hang hinunter. Kurfürst Clemens August ließ sie zusammen mit dem Gebäude bauen. Am unteren Ende begann sie früher mit 28 Stufen als Hinweis auf die Stufenzahl der Heiligen Stiege oben auf dem Berg.
Heute wird die Allee von Kastanien gesäumt, doch ursprünglich standen hier Fichten. Eine davon fällten die französischen Revolutionstruppen 1794 und errichteten sie als Freiheitsbaum auf dem Marktplatz.
Wahlweise kann man die Kreuzbergallee hinunter gehen. An ihrem unteren Ende steht ein Monument, das im 18. Jahrhundert von einem Brauer und seiner Frau errichtet wurde. Auf dem Sockel ist das Schweißtuch der Veronika dargestellt. Auf dem Sockel steht eine Statue von Christus, der unter dem Kreuz zusammenbricht.
Die Allee führt durch idyllische Hangwiesen. Aber auch wer am oberen Ende stehen bleibt, kann den Blick in die Weite auf Wiesen im Vordergrund und den Rücken des Venusbergs im Hintergrund genießen. Leider stören der Sendemast und der neue Posttower diesen Eindruck.

Die Heilige Stiege

Kurfürst Clemens August ließ 1746-51 die Heilige Stiege bauen. Sein Berater war der berühmte Barockarchitekt Balthasar Neumann. Die Gemälde im Innern sind von Adam Schöpf, die Balkonfiguren von Jakob Pfeiffhofen. Das Gebäude wurde 1996 für zwei Millionen Mark renoviert.

Das Bauwerk stellt den Palast des Pilatus dar. Es besteht aus der eigentlichen Treppe (Stiege), der Fassade und weiteren Räumen unter den Treppenläufen.
Die Heilige Stiege in Bonn ist eine Nachbildung der Scala Sancta in Rom. Dies ist der Legende nach die Treppe aus dem Palast des Pilatus, welche die römische Kaiserin Helena aus Jerusalem nach Rom brachte. Ähnliche Gebäude wie das Bonner waren im 17. und 18. Jahrhundert in Bayern, der Heimat von Clemens August, und in Österreich verbreitet; es sind über 70 Stück bekannt. Der Kurfürst brachte den Bautyp und die damit verbundene Frömmigkeitsform, die im Norden eher unbekannt waren, mit nach Bonn.
Auf dem Balkon der Fassade ist in lebensgroßen Figuren die Szene nachgestellt, in der Pilatus Christus dem Volk zur Verurteilung vorführt. (und so steht's in der Bilbel)

Was ist auf der Fassade noch dargestellt und warum?

Im Innern des Gebäudes liegt die Heilige Stiege. Der mittlere Treppenlauf, die eigentliche Heilige Stiege, wird beidseits von profanen Treppen begleitet. Sie alle führen zum Altar im Obergeschoß. Die Treppe aus Buntmarmor hat wie ihr Vorbild in Rom 28 Stufen. Auf der zweiten, elften und letzten Stufe sind Messingkreuze eingelassen. Darunter lagern angebliche Partikel vom Kreuz Christi. Außerdem sind dies die Stufen, auf die das Blut Christi getropft sein soll. In die übrigen Stufen und den Altar sind Reliquien von rheinischen und Eifeler Heiligen eingefügt (Ursula, die Thebäer, Hermann Josef).

mehr zur Heiligkeit der Stiege

Die Wallfahrtskirche

Zunächst stand auf dem Kreuzberg nur ein Kreuz, später eine Kapelle. Die heute noch bestehende Kreuzbergkirche ließ Kurfürst Ferdinand 1627 erbauen. Der Architekt war Christoph Wamser. 1689 wurde die Kirche geplündert. Kurfürst Clemens August ließ ab 1746 den Innenraum weitgehend neu gestalten.

Wie sieht es in der Kirche aus?

Links von der Kirche schließt im rechten Winkel das Klostergebäude an. Kurfürst Ferdinand ließ es 1644 für die Servitenmönche bauen. Diese lebten hier bis 1802. Von 1855 bis 1872 folgen ihnen die Jesuiten. Eigentümer des Klosters und Parks war dann Graf Gisbert von Wolff Metternich zu Vinsebeck. Er gewährte ab 1889 den Franziskanern unbegrenztes Pachtrecht. 1969 verließen die Mönche den Kreuzberg. Seit 1970 ist hier eine internationale Bildungs- und Begegnungsstätte heimisch.
An einer Ecke der Kirche steht ein Freiluft-Altar. Seine Errichtung war bereits kurz nach dem Bau der Kirche nötig, weil die Zahl der Pilger an manchen Tagen zu groß war. Pilgerzüge kamen aus Bonn und dem Erzstift, besonders aus Köln, Jülich und dem Bergischen Land auf den Kreuzberg. Manchmal waren es 3.000 bis 4.000 Pilger. Denn in der Barockzeit ging die Wallfahrt zu fernen Stätten zugunsten der Nahwallfahrt zurück. Die heimischen Wallfahrtsorte, wie der Kreuzberg, wurden prunkhaft ausgestattet und zogen dadurch wieder neue Pilger und Neugierige an.

Öffnungszeiten von Kirche und Stiege

Rund um die Kreuzberg-Bauten

Die Ölberggrotte gegenüber dem Kircheneingang stammt von 1904. Daneben führt ein Eingang in den Park mit der Brüderkapelle. Sie ist eine Nachbildung der Gnadenkapelle von Schönstatt, einem Ortsteil von Vallendar. Die Schönstattbewegung führt das Bildungszentrum auf dem Kreuzberg. Sie wurde 1914 von einem Pater, Josef Kentenich, gegründet und widmet sich der Marienverehrung.

Hinter der Kapelle führt links ein Weg weiter in den Park. Hier weihte Kardinal Meissner 2001 anlässlich der 250-Jahr-Feier der Heiligen Stiege einen modernen Kreuzweg ein. Auf einer Waldlichtung sind die 15 schlichten Stelen aus Trachyt von Rainer Page mit Bronzereliefs von Walter Mellmann im Kreis aufgestellt. Der moderne Kreuzweg ist ein Ersatz für 14 monumentale Kreuzweg-Stationen, welche die Jesuiten 1870 erbaut hatten. Wieder an der Heiligen Stiege vorbei, steht links vom Weg eine der zwei Stationen, die erhalten sind. Es ist die sogenannte Freundeskapelle.

Wenige Schritte weiter öffnet sich ein großartiger Blick ins Tal Richtung Endenich und Köln. Bei gutem Wetter ist sogar der Kölner Dom zu sehen. Leider liegen die Schlote der Fabriken von Wesseling näher und sind bei jedem Wetter im Blickfeld. Die Aussicht vom Kreuzberg war nicht nur zu allen Zeiten bei Spaziergängern beliebt. Im Jahre 1804 ritt Napoleon auf den Kreuzberg um zu prüfen, ob Bonn geeignet war, als Festung ausgebaut zu werden. Sehr zur Erleichterung der Bonner entschied er sich dagegen.

Der Weg führt weiter am Gartenzaun des Klosters entlang. Nach wenigen Metern kommt die zweite erhaltene Station des Kreuzwegs in Sicht: Ein künstlicher Berg Golgatha mit lebensgroßen Figuren von Maria und Johannes unter dem Kreuz. Immer am Zaum entlang biegt die Route links ab und kommt wieder auf die Straße, die hier auch "Stationsweg" heißt.
Ein Abstecher führt 500 Meter nach rechts bis an die Ecke der Ippendorfer Allee. Hier steht rechts von der Straße das älteste erhaltene Zeugnis der Verehrung auf dem Kreuzberg, ein Relief aus dem Jahre 1616. Dargestellt ist die Kreuzigung mit Maria, Maria Magdalena und Johannes unter dem Kreuz. Engel fangen das Blut Christi auf. Im Hintergrund ist Jerusalem zu sehen. Das Original ist heute im Rheinischen Landesmuseum, vor Ort steht eine Kopie von 1895.
In der Nähe dieses Reliefs stand die alte Kapelle, die Vorgängerin der Kreuzbergkirche Der damalige Oberbürgermeister von Bonn berichtete im 19. Jahrhundert, dass Arbeiter die Fundamente der Kapelle und Teile der gotischen Verzierung fanden, als sie eine Kiesgrube anlegten. Auf dem Weg zurück zur Heiligen Stiege hat man über das Feld rechts einen schönen Blick voraus auf Bonn-Poppelsdorf.

Und wieder hinab

Hinter der Heiligen Stiege biegt links bergab die "Kapellenstraße" ein, der Stationsweg nach und von Endenich. Auch er ist ein alter Hohlweg. Die Jesuiten errichteten 1858 die Kreuzweg-Stationen, in diesem Fall mit Bildern eines klassischen Kreuzwegs, der den Weg Christi zur Kreuzigung nachzeichnet.

Der "Kapellenweg" endet am ummauerten Areal des ehemaligen Benediktinerinnenklosters Maria-Hilf. Diese Stelle ist ein weiterer Wallfahrtsort. Der Legende nach wurden Cassius und Florentius, die Stadtpatrone Bonns und Ortspatrone Endenichs, hier hingerichtet (mehr zur Legende).
Im Gedenken daran erbaute ein Bonner Geistlicher die sogenannte Marterkapelle.

Mehr zu Kapelle und Kloster.

Im Volksmund heißt die Kapelle auch Mordkapelle. Der Name kommt aber nicht, wie man vermuten könnte, von "Mord", sondern von der Mordkaule = Moorkuhle. So hieß das Gelände wegen der Beschaffenheit des Bodens.
Wegen eines Ereignisses aus der jüngeren Geschichte erhält der Begriff Mordkapelle aber auch seinen bitteren Beigeschmack: Am 30. April 1941 vertrieben die Nationalsozialisten die Nonnen als "Staatsfeinde" aus dem Kloster. Danach war das Gebäude ab Juni 1941 bis 1942 Sammellager für 474 jüdische Mitbürger aus Bonn und der Umgebung. Sie kamen von hier aus über Köln in die Konzentrationslager im Osten. Nur sieben dieser Menschen haben nachweislich überlebt.

Gegenüber der Klosterecke (vom Kapellenweg aus rechts) geht geradeaus der Mordkapellenpfad ab. Es ist ein teilweise ungepflasterter Fußgängerweg (Schild), der durch Schrebergärten führt. Die Route verläuft trotz aller Biegungen des Pfades grob geradeaus, immer abseits der lauten Bundesstraße, und mündet schließlich in die Sebastianstraße. Diese führt nach rechts zum Poppelsdorfer Platz und damit zum Ausgangspunkt der Route zurück.
Kurz vorher biegt rechts der "Stöckerweg" ein und bietet die Gelegenheit, auf einen"Nachtisch" hinzuweisen: Einige hundert Meter weiter, in der Sternenburgstraße, befindet sich die Poppelsdorfer Heimatsammlung, die 1953 von Pfarrer Hans Rudolph Stöcker gegründet wurde. Hier kann man in der Geschichte Poppelsdorfs und des Kreuzbergs stöbern (Information).

Eckdaten:

Länge: 3 Kilometer, mit Abstecher auf die Kreuzbergallee und zum Bildstock in Ippendorf 4 Kilometer. Nur Bauten auf dem Kreuzberg: 1 Kilometer.

Bodenbeschaffenheit: weitgehend asphaltiert, streckenweise Wald- oder Parkwege.

Schwierigkeitsgrad: Steigung von Poppelsdorf: 80 Meter, Gefälle nach Endenich: 70 Meter. Alternative ohne Höhenunterschiede: nur die Bauten und den Rundweg auf dem Kreuzberg.

Rastmöglichkeiten: Sitzbänke am Aussichtspunkt rechts von der Heiligen Stiege.

Anfahrt per ÖPNV: Mit Bus Nr. 620, 624, 625, 626, 627 bis Poppelsdorfer Platz. Für die Alternative ohne Höhenunterschiede mit Bus Nr. 624, 625 weiter bis Ippendorfer Allee.

Anfahrt per Pkw: A 565, Ausfahrt Poppelsdorf, rechts in die Kirschallee, rechts in die Sternenburgstraße, links in die Clemens-August-Straße. Hinter dem Poppelsdorfer Platz rechts in den Wallfahrtsweg, Parkplatz des Friedhofs ausgeschildert. (Alternative: Clemens-August-Straße/Trierer Straße weiter bis Ippendorf, rechts in den Stationsweg, Parkmöglichkeiten vor den Kreuzbergbauten).


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